
Der Saal ist gut gefüllt, als Dr. Johannes Hillje auf Einladung der „Stiftung Weiter-Denken“ auf die Bühne gebeten wird.
Bevor der Politikforscher an diesem Januarabend 2026 einige Thesen aus seinem aktuellen Buch erläutert, präsentiert er eine Zeichnung, die viele im Plenum verblüfft. Man sieht zwei um die Wette laufende Gehirne. Dabei schlägt der Läufer „SYSTEM 1“ (mit 95%) den Läufer „SYSTEM 2“ (mit 5%) deutlich aus dem Rennen. „Unser Gehirn denkt in zwei Geschwindigkeiten“, erklärt Hillje. „95 Prozent unserer Entscheidungen werden im ersten, emotionalen System gefällt.“ Weit abgeschlagen sei das zweite, in dem wir reflektieren und rationalisieren. Und damit demonstriert der politische Berater auch schon anschaulich, was er den demokratischen Parteien dringend ans Herz legen möchte: Mehr Emotion wagen!
„Wir sind alle emotionale Wesen und treffen emotionale Entscheidungen. In meiner Welt, der Politik, ist das noch nicht so anerkannt.“ – so Hillje.
Leider hätten die demokratischen Kräfte hier zu Lande eine regelrechte „Emotionsaversion“. Diese Lehre habe man aus der Nazi-Propaganda gezogen – natürlich aus guten Gründen. Schließlich waren Emotionen in der NS-Zeit in großem Ausmaß missbräuchlich eingesetzt worden. Heute bauten die Populisten vom rechten Rand hingegen wieder genau darauf, so Hillje. Das Schüren von negativen Emotionen wie Wut und Angst sei aktuell deren stärkstes Erfolgsrezept. Und es würden gezielt Feindbilder aufgebaut – mit der Folge, dass viele in der AfD eine Hoffnungsträgerin sähen. Eine These, die auch von einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung untermauert wird.
Johannes Hillje ordnet die komplexen Zusammenhänge verständlich ein. Das sprichwörtliche „Pathos der Nüchternheit“ unserer demokratischen Parteien dürfe nicht dazu führen, Emotionen ganz aus der Politik herauszulassen. Der Wissenschaftler hält diese Gefühllosigkeit in der Kommunikation mit für einen Grund, warum es eine Wählerbewegung von der demokratischen Mitte hin zur äußeren Rechten gebe. Von deren Heilsversprechen fühlen sich die gezielt emotionalisierten Menschen stark angezogen. Eine von Hillje durchgeführte Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Bürger aller Wählerschichten durchaus das Bedürfnis haben, auch emotional angesprochen zu werden. Die Forschung weist also in eine viel gefühlvollere Richtung als die Realpolitik der demokratischen Parteien, die meinen, weitgehend emotionslos auskommen zu können. Was natürlich nicht heiße, so der rhetorisch geschliffene Autor, dass er ihnen jetzt raten würde, das populistische Verhalten von Rechtsaußen zu kopieren.

Johannes Hillje ist von der „Hoffnungsforschung“ inspiriert – einer Disziplin der Sozialpsychologie, die stark auf Selbstwirksamkeit abzielt.
In seiner Keynote plädiert Johannes Hillje für eine demokratische Emotionskultur. Schließlich seien positive Gefühle ein hervorragender „Türöffner“ fürs rationale Denken. Mit ihnen könnten uns Politiker für vernünftige, substanzielle Ideen und Programme regelrecht aufschließen. Und dabei gehe es um mehr als das formelhafte Beschwören von „Freiheit“, „Wachstum“ oder „Wohlstand“. Schlagworte, die alle nicht auf den konkreten Alltag der Menschen abzielten – und so den Einzelnen überhaupt nicht erreichen würden.
Mit positiven Beispielen für mehr Emotionalität und Bildhaftigkeit in der politischen Kommunikation schließt Johannes Hillje seinen erkenntnisreichen und vielschichtigen Vortrag ab.
Johannes Hillje ist Politikforscher und berät Institutionen, Parteien, Politiker, Ministerien, Unternehmen und NGOs. Als Experte für (Rechts-)Populismus, Fake News, politische Kommunikation und demokratische Öffentlichkeit tritt er häufig in den Medien auf, kommentiert das politische Geschehen und analysiert Wahlkämpfe. Er wurde 2023 zu „Deutschlands Young Thinker“ ausgezeichnet – vom Fachmagazin politik&kommunikation.
Wenn Sie Johannes Hillje für Ihre Veranstaltung als Redner anfragen möchten, rufen Sie uns an unter +49 89 5472619-0 oder mailen Sie uns.



















