2017 April 04

Interviews

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Richard Gutjahr: Kommunikation im Zeitalter von „Fake News“

von Barbara Boesmiller

In den USA wirft der Präsident den Medien vor, falsche Informationen zu verbreiten und diffamiert sie als „Fake News“. Seine Beraterin macht aus schlichten Unwahrheiten „alternative Fakten“. Und hierzulande versuchen die Pegida-Demonstranten, mit Angriffen auf die angebliche „Lügenpresse“ unabhängige Berichterstattung zu diskreditieren.

Econ-Referent Richard Gutjahr ist seit langem kritischer Beobachter und Analyst der deutschen und internationalen Medienszene – und als Journalist und Blogger auch ein Teil davon. Wir haben mit Richard Gutjahr über die aktuelle Situation gesprochen.

Der Begriff „Fake News“ wird im Moment inflationär gebraucht – da kann der Eindruck entstehen, es gäbe nur noch falsche Informationen, vor allem im Netz. Wie groß ist das Problem denn wirklich?

Der Hype um sogenannte „Fake News“ wird meiner Meinung nach überstrapaziert. Das grundsätzliche Phänomen dahinter jedoch wird uns noch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte beschäftigen. Die Menschen haben erkannt, dass sie durch die sozialen Netzwerke mächtig geworden sind. Das betrifft Politiker, Manager genauso wie uns Journalisten. Wir haben es mit einer Machtverschiebung weg vom Anbieter hin zum Nachfrager zu tun. Das erfordert in Zukunft eine völlig neue Form der Kommunikation.

 „Fake News“ und das unerträgliche Gerede von der „Lügenpresse“ sind einerseits Symbol, andererseits Ursache für einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust der Medien. Wie können Journalisten wie Sie diesem Glaubwürdigkeitsverlust begegnen?

Indem wir unsere Arbeit machen. Uns auf das besinnen, was wir Journalisten schon immer getan haben, oder sagen wir, tun sollten: Informationen einholen, diese sorgfältig prüfen und verständlich aufbereiten. Hinzu kommt, dass wir die Methoden und Zwänge, unter denen wir arbeiten, transparenter machen und besser erklären müssen, als wir das früher getan haben. Sich seinen Kunden, seinem Publikum zu stellen, ist oft anstrengend und zermürbend. Auf der anderen Seite kann so ein gelegentlicher Shitstorm auch eine unheimlich reinigende Erfahrung sein.

Und welche Konsequenzen muss ich als Medienkonsument ziehen?

Auch der Konsument ist in der Pflicht. Denn ob man will oder nicht, durch Facebook, Twitter & Co ist jeder Nutzer selbst zum „Gatekeeper“ geworden, eine Art Chefredakteur für seine Freunde und Follower. Wer Falschmeldungen verbreitet, ist mit in der Pflicht und darf sich nicht wundern, wenn das eines Tages auf ihn zurückfällt. Wie heißt es doch so schön bei Spiderman: Aus großer Macht erwächst große Verantwortung!

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