2013 September 15

Interviews

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Fünf Jahre danach – Lehren aus der Pleite von Lehman Brothers

von Barbara Boesmiller

ECON Redner Ueckerseifer_Ulrich

Die Reaktionen kamen recht schnell und die Versprechen der Politiker waren groß, damals nach der Lehman-Pleite. Vor fünf Jahren musste die US-amerikanische Investmentbank im Zuge der Finanzkrise Insolvenz anmelden. Ein Schuldenberg von mehr als 200 Milliarden Dollar, zehntausende arbeitslose Angestellte und geprellte Sparer waren die Folge. Und natürlich die weltweiten Turbulenzen an den Finanzmärkten… Und heute? Ein solcher Kollaps sollte nie wieder vorkommen, darin waren sich Politiker und Notenbanker einig. Also wurden Beschlüsse gefasst, Vorschriften geändert, strengere Regularien erlassen. Doch dass das reicht, zweifeln auch Fachleute wie der ehemalige US-Finanzminister Henry Paulson oder der einstige EZB-Chef Jean-Claude Trichet an. Wir haben bei unserem Redner Ulrich Ueckerseifer nachgefragt, Wirtschaftsexperte im WDR und im ARD-Morgenmagazin.

Ulrich Ueckerseifer, zuerst ein kleiner Blick zurück: Hat Sie die Lehman-Pleite damals überrascht?

Ja. Nachdem in den Woche und Monaten zuvor eine Reihe von Banken gerettet wurden, hatte ich damit persönlich nicht gerechnet.

Im Anschluss brach meiner Erinnerung nach auch nicht sofort die große Panik aus, sondern es dauerte zwei Wochen, bis das Finanzsystem komplett infiziert war. Das gipfelte Anfang Oktober 2010 in der berühmten Merkel-Steinbrück-Garantie, dass die Spareinlagen sicher seien.

Politik und Notenbanken haben in der Folge ja durchaus versucht, die Finanzmärkte stärker zu regulieren. In welchen Punkten ist das denn gelungen?

Bislang nur in wenigen. In die richtige Richtung geht die Verstärkung des Eigenkapitals, im Fachjargon Basel III genannt: Banken müssen künftig deutlich mehr Eigenkapital haben als heute. Beschlossen wurde diese Regel auf dem G20-Gipfel Ende 2010 in Seoul, also zwei Jahre nach der Lehman-Pleite. Die Umsetzung beginnt erst jetzt und dauert weitere fünf Jahre. Dann müssen Banken – grob gesagt – doppelt so viel Eigenkapital haben wie heute.

Banken bräuchten dreimal soviel Eigenkapital

Ob das ausreicht, ist umstritten. Für wirkliche Sicherheit an den Finanzmärkten bräuchten Banken eher dreimal als doppelt so viel Eigenkapital wie heute. Dieses Beispiel ist typisch für viele Regulierungsschritte. Sie gehen in die richtige Richtung, sind aber oft nicht konsequent genug.

Und wo krankt die Regulierung noch?

Vieles fehlt noch, ist aber in Arbeit. Das gilt ganz aktuell für die Fragen der künftigen Bankenaufsicht in Europa, bei der die EZB die entscheidende Rolle spielen soll. Auch die Frage der Bankenabwicklung ist entscheidend. Wenn sich beide Bereiche gut entwickeln, dann sind wir vielleicht in zwei Jahren in der Lage, endlich auch eine große Bank pleite gehen zu lassen, ohne dass gleich das ganze System einsturzgefährdet ist.

Bislang hat sich die Regulierung aber fast nur auf die Banken konzentriert. Bei den Schattenbanken steht die Regulierung noch ganz am Anfang. Das wird noch Jahre dauern, ist aber wichtig.

Ulrich Ueckerseifer fasst die Lehman-Pleite und die Folgen auch in einem Video in der DasErste-Mediathek zusammen. Seinem selbst gewählten Titel als „Fernseh-Erklärbär“ macht er dabei alle Ehre – genauso wie in seinen anderen Erklär-Videos zu verschiedenen Wirtschaftsthemen bei tagesschau.de. Schauen Sie mal rein!

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