2012 Juni 29

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Und er steigt und steigt und steigt – drei Fragen an…

von Barbara Boesmiller

unseren Redner Stefan Rahmstorf, Professor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er hat zusammen mit Wissenschaftlern der Forschergruppe Climate Analytics den Anstieg des Meeresspiegels in den nächsten 200 Jahren berechnet – mit erschreckendem Ergebnis: Selbst wenn ehrgeizige Ziele wie eine Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad erreicht werden, werden die Ozeane dennoch steigen. Und zwar um eineinhalb bis vier Meter bis zum Jahr 2300. Denn die Höhe der Weltmeere reagiere sehr langsam auf mögliche Klimaschutz-Maßnahmen, sagen die Wissenschaftler.

Stefan Rahmstorf, wie hieb- und stichfest ist Ihre Prognose – können Sie wirklich so weit in die Zukunft schauen?

In diesem Fall prinzipiell schon, weil die Reaktion des Meeresspiegels auf die globale Erwärmung so langsam abläuft. Wenn es wärmer wird, beginnen die Eismassen auf den Kontinenten zu schmelzen. Das beobachten wir bereits, und dieser Abschmelzprozess wird Jahrhunderte lang anhalten, wenn die Temperaturen weiterhin erhöht bleiben.

Über das genaue Ausmaß gibt es natürlich noch Unsicherheit, darum geht es in unserer Studie. Aber dass bei weiterer globaler Erwärmung die Meere in den folgenden Jahrhunderten um mehrere Meter ansteigen, ist leider ziemlich sicher.

Wenn Sie einen großen Brocken Eis aus Ihrem Gefrierfach nehmen und in die warme Küche legen, passiert im Prinzip das Gleiche. Da können Sie auch sicher sein, dass nach zehn Minuten erst ein ganz kleiner Teil geschmolzen ist, und dass es danach noch lange weiter schmelzen wird.

Bei der Eismasse auf Grönland wissen wir, dass bis zum Jahr 2100 nur ein sehr kleiner Teil geschmolzen sein wird, und dass der Schmelzprozess dann noch Jahrhunderte weitergehen wird.

Wenn sich der Klimaschutz von heute erst in 50 Jahren tatsächlich auswirkt, macht er dann Sinn? Oder ist  „eh alles egal“?

Wir zeigen in der Studie, dass Klimaschutz sehr viel Sinn macht, gerade weil unser Verhalten derart langfristige Folgen hat. Unsere Emissionen heute bestimmen ganz wesentlich darüber, wie rasch in den folgenden Jahrhunderten der Meeresspiegel ansteigt. Je rascher er steigt, desto schwerer wird es für unsere Enkel, sich an diesen Anstieg anzupassen.

Wie gehen Sie persönlich mit Ihren Zahlen um – plagen Sie Albträume von überschwemmten Städten?

Ich sehe das ganz praktisch: Meine Familie hat kein Auto, nutzt Ökostrom und Solarwärme vom Dach, wir haben das Haus gedämmt und wir verbringen unseren Urlaub an der nahen Ostsee. Jeder kann seinen Beitrag leisten zu der derzeit ablaufenden großen Transformation hin zu einer nachhaltigen Lebensweise.

Wer sich für den Originalartikel von Stefan Rahmstorf und seinen Kollegen interessiert, findet ihn online bei der Fachpublikation Nature Climate Change. Und wenn Sie sich seine Forschungsergebnisse von ihm selbst erklären lassen wollen, dann buchen Sie ihn doch als Redner :-).

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