2013 Mai 29

Interviews

Kommentar verfassen

Cathy O’Dowd, Lene Gammelgaard, Thomas Bubendorfer und der Hype um den Mount Everest

von Barbara Boesmiller

Genau 60 Jahre ist sie nun her, die Erstbesteigung des Mount Everest. Ob das allerdings ein Grund zum Feiern ist, darüber kann man nicht nur unter Alpinisten streiten. Der Mount Everest gilt inzwischen als die „höchstgelegenste Müllkippe der Welt“, bis zu 40.000 Bergsteiger versammeln sich jedes Jahr an seinem Fuß, die Besteigung ist beinahe ein Massensport geworden. Unerfahrenheit und kommerzieller Druck gefährden bei so mancher Expedition Menschenleben. Und erst vor kurzem eskalierte ein Streit zwischen ausländischen Bergsteigern und einheimischen Sherpas. Unter unseren Redner sind ja eine ganze Reihe Extrembergsteigern, viele auch mit Everest-Erfahrung. Wir haben mit Ihnen über das Jubiläum gesprochen.

Econ_Redner_Cathy_ODowd_1Unsere Rednerin Cathy O’Dowd hat den Everest von beiden Seiten bezwungen, auf der Nord- und auf der Südroute, und das als erste Frau der Welt. Cathy O’Dowd, der „Rummel“ am Everest ist zunehmend umstritten. Ist der 60. Jahrestag der Erstbesteigung trotzdem ein Grund zu feiern?

I do think the 60th anniversary of the first ascent of Everest is a reason to celebrate. This was a feat first attempted in 1921, it took over 30 years for someone to succeed and since then that opportunity has been extended to many more people. It is worth remembering that to be part of that 1953 success you had to be of a certain nationality, a certain gender and a certain class. The fact that this challenge can now be attempted by a much wider range of people is absolutely something to celebrate, and is a testament to the many positive developments in our world in the last 60 years.

Clearly there are things to criticise about what is happening right now on Everest, the commercialisation, the over-crowding, the over-dependence on Sherpas doing the real work. But this isn’t about Everest, this is about us – the human race in the twenty-first century. This is about our rapidly growing numbers, the widening gap between rich and poor in the world, and our hunt for the drama of ‚adventure‘ commercially packaged in ways that seek to guarantee success and safety.

What is happening on Everest is simply a reflection of our wider world and we should look below the surface of the dramatic media reports to think about what it really means for the world we are building around us.

ECON_Redner_Gammelgaard_LeneLene Gammelgaard, Sie waren die erste Frau Skandinaviens auf dem Mount Everest. Würden Sie heute noch einmal an diesen Berg zurückkehren? 

Nein, als Mutter von drei Kindern würde ich es heute nicht mehr tun. Einfach wegen der Verantwortung, die ich für die Kinder habe. Könnte ich aber die Zeit zurückdrehen und es wäre noch einmal 1996 – dann würde ich es wieder wagen. Mich selbst völlig zu überwinden, meine Angst zu durchbrechen, die Erfahrung unbedingter Kameradschaft und, ja, auch des Todes, das alles macht einen großen Teil von mir aus. Ohne diese Erfahrungen und die Chance, an ihnen zu wachsen, wäre ich nicht die, die ich heute bin. Ich sehe das als großes Geschenk.

ECON_Redner_Bubendorfer_ThomasThomas Bubendorfer, Sie sind einer der bekanntesten Extrembergsteiger der Welt, ein Alleingänger am Berg. Wie sehen Sie die Zukunft des Bergsports? Wird der „Hype“ um Bergsteigen und Klettern noch zunehmen?

Ich denke, der „Hype“ um das Bergsteigen wird weiter zunehmen, weil der moderne Mensch zunehmend das Bedürfnis nach Ruhe und Bewegung, nach „Abschalten“ und Kontemplation, also Ausgleich, haben wird. Die Berge bieten das alles in der verschiedensten Form, ob Klettersteige, Sportklettern, Wandern, Trekking oder „Expeditionen“, wie man das heute fälschlicherweise immer noch nennt. In den Alpenländern boomt zudem auf geradezu atemberaubende Weise das Skitourengehen. Es werden mittlerweile vielfach schon mehr Tourenschier als Alpinschier verkauft…

Von den Männern um Edmund Hillary, denen 1953 die Erstbesteigung gelang, ist inzwischen keiner mehr am Leben – mit dem Neuseeländer George Lowe ist wenige Wochen vor dem 60. Jahrestag das letzte Mitglied des damaligen Exepditionsteams gestorben. Wenn Sie sich selbst noch einmal ein Bild von dieser historischen Expedition machen wollen, dann lesen Sie doch das spannende und teils kuriose Buch „Everest 1953“.

Auf dieses Thema gibt es noch keine Reaktionen

Es sind keine Kommentare erlaubt.