2013 Januar 22

Interviews

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Genscher, Wickert, Goeudevert: 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

von Barbara Boesmiller

Zu den Dingen, die uns von anderen Redneragenturen unterscheiden, gehört auch das: unsere Frankophilie :-). Deshalb wollen wir natürlich gebührend auf den heutigen deutsch-französischen Tag hinweisen – zumal er ein ganz besonderer ist. Vor genau 50 Jahren haben der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle den so genannten Elysée-Vertrag unterschrieben und damit den Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft gelegt. Wir haben also bei unseren frankophilen Referenten nachgefragt, was sie mit diesem Tag verbinden…

Hans-Dietrich Genscher, Bundesaußenminister a. D.: „Die Unterzeichnung des Elysée-Vertrages war nicht nur ein großer Tag für die deutsch-französischen Beziehungen. Es war ein großer Tag für Europa. Durch die dauerhafte Verbindung des französischen und deutschen Schicksals wurde der Grundstein gelegt für die Einheit Europas. Das ist bleibende Verpflichtung und fortbestehende Verantwortung der Deutschen und der Franzosen. Mein Wunsch ist es, dass in diese geschichtlich einmalige Verbindung zweier Völker nun, nach Ende der Spaltung Europas, das große polnische Volk aufgenommen wird.“

Ulrich Wickert, langjähriger Tagesthemen-Moderator und Frankreich-Korrespondent: „Für mich begannen die deutsch-französischen Beziehungen privat durch zwei einschneidende Erlebnisse, als ich 1956 als Jugendlicher in Paris wohnte und mit meiner Familie Urlaub in der Normandie machte: Das eine war eine Frau, die uns die Blechmarken von zwei gefallenen deutschen Soldaten gab. Das andere waren Hakenkreuze, die eines Tages an unsere Haustür geschmiert wurden. Das waren Dinge, die es damals aufzuarbeiten galt. Mittlerweile hat sich das zum Glück sehr geändert, und diese Änderung ist auf den Deutsch-französischen Freundschaftsvertrag zurückzuführen. Noch in den 70er und 80er Jahren galten Deutsche als «sales boches», als «dreckige Deutsche». Das Schimpfwort kennt man in Frankreich heute kaum noch. Wenn man sich Umfragen ansieht, sind Deutsche dort heute sehr beliebt. Tausende junge Franzosen leben mittlerweile in Berlin, weil sie sagen, dass das Leben dort spannender ist als in Paris. Das ist eine wunderbare Entwicklung!“

Buchautor und Ex-Manager Daniel Goeudevert: „Ich war gerade 21 Jahre alt, als der Elysée-Vertrag unterschrieben wurde. Ich war damals Lehrer an einem Gymnasium in Paris. Als in Reims geborener Franzose kann ich mich sehr gut an den Besuch von Konrad Adenauer in meiner Heimatstadt erinnern: Die Kathedrale, De Gaulle, Adenauer in Reims – Bilder die ich nicht vergessen werde.“ Wie und warum sich Daniel Goeudevert richtiggehend in Deutschland „verknallt“ hat, das hat er heute Morgen auch auf WDR5 verraten. Hörenswert!

Unsere Agenturleiterin Isabel Funke freut sich genauso über das Jubiläum des Elysée-Vertrages: „Seit vielen Jahren singe ich mit großer Begeisterung im Deutsch-Französischen Chor München. Ohne die deutsch-französische Aussöhnung und den Elysée-Vertrag würde es die Deutsch-Französischen Chöre womöglich gar nicht geben. Sie wurden Ende der 60er Jahre von einem französischen Diplomaten gegründet, um den 1963 geschlossenen Freundschaftsvertrag mit Leben zu füllen. Inzwischen gibt es sechs Chöre in Frankreich und sieben in Deutschland, die sich rege austauschen und gegenseitig besuchen. Der Geist, der diese Chöre und die gemeinsamen Konzertprojekte durchweht, ist ein ganz besonderer. Viele Freundschaften sind so entstanden, und die regelmäßigen Reisen nach Frankreich, bei denen wir immer von einem Gastgeberchor aufs Herzlichste empfangen werden, sind Höhepunkte des Chorjahres.“

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