2012 Februar 07

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20 Jahre Maastricht oder: Wie man den Euro erzieht – Drei Fragen an Theo Waigel…

von Barbara Boesmiller

…Ex-Bundesfinanzminister und gefragter Redner zu Europa- und Finanzthemen. Heute vor 20 Jahren haben er und seine europäischen Kollegen den Vertrag von Maastricht unterschrieben und damit die Gründung der EU und die Einführung des Euros besiegelt. Wohl niemand hat damals erwartet, dass der Euroraum zwei Jahrzehnte später in einer tiefen Krise steckt. Bei der Suche nach den Ursachen dieser Krise wird oft auch der Vertrag von Maastricht genannt – beispielsweise wegen zu laxer Sanktionen für verschuldete Staaten.

Theo Waigel, Sie sind einer der Väter der heutigen EU und des Euros – taugen Sie als Sündenbock, sind Sie schuld an der Krise?

Nein. Bei der Krise handelt es sich um die Folgen von Erziehungsfehlern, nicht um Geburtsfehler. Leider gibt es bei der Erziehung Mängel: Der Stabilitätspakt wurde aufgeweicht, Griechenland wurde in die Währungsunion aufgenommen, was ein Fehler war – das sind die Gründe für die aktuelle Krise und nicht der Vertrag von Maastricht.

Wenn Sie den Vertrag von Maastricht noch einmal aushandeln könnten, was würden Sie anders machen?

In den wesentlichen Punkten ist der Vertrag richtig. In den Jahren 1996 und 97 wurde er noch ergänzt durch den Stabilitäts- und Wachstumspakt, mit dem das Prinzip der Nachhaltigkeit in die europäische Finanzpolitik überführt wurde. Hätte man sich an diesen Pakt gehalten, der neben der dreiprozentigen Defizitgrenze mittelfristig ausgeglichene Haushalte sowie langfristig sogar Haushaltsüberschüsse festlegt, hätten wir die heutigen Probleme nicht.

Und angenommen, Frau Merkel würde Sie wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise um Rat fragen: Wie lautet Ihr wichtigster Ratschlag?

Am wichtigsten ist es jetzt, die Währung zu verteidigen, denn sie ist kein Selbstläufer. Und von den Ländern klar zu fordern, dass sie sich an die Bedingungen der Währungsunion halten – und genau das tut Frau Merkel.

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