2011 Dezember 16

Gastautoren, Verschiedenes

Ein Kommentar

Econ Referenten-Agentur spendet Blockhäuser in Srebrenica

von Marion Gissing

16 Jahre nach Ende des Bosnienkriegs stehen viele Menschen in dieser Region immer noch vor dem Nichts. Um einigen von ihnen die Möglichkeit einer gesicherten Existenz im eigenen Heim zu geben, spendet die Econ Referenten-Agentur dieses Jahr zu Weihnachten Blockhäuser für obdachlose Flüchtlingsfamilien in Srebrenica. Das Projekt, das den traumatisierten Menschen in Bosnien Hoffnung auf einen Neuanfang bietet, heißt „Bauern helfen Bauern“.

Wie sind wir auf diese Idee gekommen? Wir verdanken sie Aida Azzaoui, der Tochter unserer Kollegin Sibylle Nottebohm.  Aida war im Sommer vor Ort und hat uns mit ihrem Bericht über die Lage der Menschen in Srebrenica sehr bewegt. Sie selbst hat bei einem Zirkusprojekt mitgeholfen, das die Organisation „Bauern helfen Bauern“ ebenfalls in Srebrenica durchführt. Hier ihr Erfahrungsbericht:

„Nichtsahnend, was auf mich zu kommen würde, habe ich mich als Freiwillige gemeldet, um den Menschen in Srebrenica zu helfen, ein Stück Normalität wieder zu erhalten. Im August 2011 veranstaltete die österreichische Organisation “Bauern helfen Bauern” einen pädagogischen Kinderzirkus, bei dem serbische, bosnische und österreichische Kinder gemeinsam eine Woche lang eine Zirkusvorstellung einstudierten.

Die Traumata des Krieges haben sich von der älteren Generation auf die heutige Jugend übertragen. Die Zirkus-Aktion sollte den Kindern in Srebrenica für sieben Tage erlauben, einfach nur Kind zu sein. Früher lebten hier mehr als 10.000 Kinder. Heute, nachdem im Juli 1995 das größte Massaker Europas seit dem zweiten Weltkrieg stattfand, Häuser niedergebrannt , Frauen vergewaltigt und ca. 8.000 Bosnier ermordet wurden, sind es nur noch knapp 500 Kinder.

Gastautorin Aida Azzaoui

Gastautorin Aida Azzaoui

Als wir in Srebrenica ankommen, sehen wir schon das Zirkuszelt auf einem Sportplatz stehen. Rund ein Dutzend Kinder lugen neugierig hinein. Bei der Weiterfahrt durch Srebrenica zeigen sich die Spuren, die der Krieg hinterlassen hat: Kaum ein Haus ohne Einschusslöcher, viele Häuser sind weder verputzt, noch haben sie Türen und Fenster, und kaum eine Menschenseele befindet sich auf der Straße. Auch in den Gesichtern der Menschen hat der Krieg deutliche Spuren hinterlassen.

Umso fröhlicher macht es mich am nächsten Tag, Vida zu besuchen. Sie ist vor drei Wochen in ihr neues Haus gezogen, welches „Bauern helfen Bauern“ für sie gebaut hat. Davor wohnte  sie bei ihrem Sohn und lief jeden Tag knapp zwei Stunden zu Fuß zu den Ruinen ihres alten Hauses, um ihren Gemüsegarten zu pflegen. Überglücklich und stolz zeigt sie uns ihr neues Haus und verpflegt uns mit selbstgemachten Köstlichkeiten.

Der Zirkus beginnt erst am nächsten Tag, da heute Bajram – das höchste muslimische Fest – gefeiert wird. Früh am nächsten Morgen fahren wir zu dem Zirkuszelt, vor dem die Kinder aus dem Ort schon sehnsüchtig warten. Keiner weiß genau, wie viele Kinder kommen werden. Busse fahren los, um die Kinder aus entfernteren Orten abzuholen. Gegen 9 Uhr sind alle Kinder da. Der serbische Zirkusdirektor erklärt den aufgeregten Kindern den Ablauf. Obwohl das Mindestalter eigentlich bei vier Jahren liegt, sind auch viele kleinere Kinder mit ihren Müttern gekommen, weil sie unbedingt mitmachen wollen.

An diesem ersten Vormittag dürfen die Kinder verschiedene Aktivitäten ausprobieren. Danach müssen sie sich entscheiden, welches Kunststück sie für den Rest der Woche üben wollen, um es am Ende bei der Gala aufzuführen. Doraja Eberle, die Vorsitzende der Organisation „Bauern helfen Bauern“, kennt viele Kinder von den letzten Jahren und berichtet uns über deren Schicksale. Umso mehr freut es mich, das Lachen der Kinder zu hören und ihre funkelnden Augen zu sehen, als sie in der Manege stehen. Alle, egal ob jung oder alt, nehmen mit großer Begeisterung teil.

Leider können wir nicht bis zur Galavorstellung bleiben, denn die Universität ruft.  Aber schon dieser kurze Eindruck von Srebrenica und der Organisation“Bauern helfen Bauern“  hat mich motiviert, kommenden Sommer wieder hinzufahren, um  eines der Häuser mit aufzubauen.“

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