2026 Januar 29

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Wie nutzen wir die Krisen unserer Zeit als Chancen, Tanja Schindler?

von Katja Volkmer

© Bayernwerk

Das neue Jahr ist jung, frisch und voller Möglichkeiten. Doch wir blicken bang in die Zukunft, besonders aus geopolitischen Gründen. Ob privat, als Teil eines Unternehmens oder einer Institution fragen sich gerade viele: Wie geht’s weiter? Wie gut, dass die Econ Referenten-Agentur einen heißen Draht zu einer der international gefragtesten Vordenkerinnen für Futures Thinking, Resilienz und Transformation hat: Tanja Schindler. Von ihr wollen wir wissen:

Was raten Sie Menschen, die angesichts der Nachrichtenlage einen Knoten im Bauch verspüren und sich ernsthafte Sorgen um ihre Zukunft machen? Anders gefragt: Wie können wir unsere persönliche Resilienz stärken?

Wir sind permanent von Bildern einer düsteren Zukunft umgeben, in den Nachrichten, Social Media, und meistens auch in Filmen. Das erscheint zunächst vernünftig: Als Menschheit haben wir gelernt, Risiken früh zu erkennen und diese rechtzeitig abzuwehren. Doch genau dieses Schutzverhalten kann uns in eine mentale Falle führen. Denn unser Gehirn filtert die Informationsflut, die täglich auf uns einströmt. Es sucht gezielt nach den Signalen, die zu dem Zukunftsbild passen, das wir bereits im Kopf haben. Wenn dieses Bild geprägt ist von Angst, Krisen und Kontrollverlust, dann nehmen wir auch die Gegenwart verzerrt wahr, nämlich als bestätigendes Szenario für ein Morgen, das wir fürchten. Das macht uns Angst und gibt wenig Hoffnung.

„Resilienz heißt nicht, unverwundbar zu sein. Es bedeutet, beweglich zu bleiben im Denken und Handeln, gerade in Zeiten hoher Unsicherheit.“

Deshalb ist es so entscheidend, sich bewusst ein konkretes Bild einer wünschenswerten Zukunft vor Augen zu führen. Eine Zukunft, in der wir leben möchten, nicht nur eine, vor der wir uns schützen wollen. Denn nur wer weiß, wohin er möchte, erkennt auch die schwachen Signale des positiven Wandels in der Gegenwart und kann sie gezielt stärken. Resilienz heißt nicht, unverwundbar zu sein. Es bedeutet, beweglich zu bleiben im Denken und Handeln, gerade in Zeiten hoher Unsicherheit. Und das beginnt mit einer Frage, die wir uns viel öfter stellen sollten: In welcher Welt möchten wir leben? Sobald wir darauf eine Antwort haben, beginnt die Zukunft gestaltbar zu werden und Zukunftsangst weicht neuer Hoffnung.

Sind unsere Unternehmen in diesen wirtschaftlich ungewissen Zeiten genügend gut auf die Zukunft vorbereitet? Wie können sie ob klein oder groß schon heute klug die Weichen für morgen stellen oder, wie Sie es nennen, „voraushandeln“?

In Zeiten des Wandels reicht es nicht mehr, die Gegenwart zu optimieren. Unternehmen müssen sich strategisch mit der Frage auseinandersetzen, welche Zukunft wir durch unser Handeln heute möglich machen wollen. Zukunft ist nicht vorhersehbar, aber sie ist gestaltbar, wenn wir lernen, Zukunft weniger als Zeit sondern als Raum der Möglichkeiten zu sehen. Strategic Foresight hilft, unterschiedliche Zukünfte zu erkunden, Risiken frühzeitig zu erkennen,  aber vor allem, eine bevorzugte Zukunft bewusst zu wählen und sie aktiv zu verfolgen. Gerade kleinere Unternehmen profitieren davon, wenn sie sich frühzeitig fragen, welche Entwicklungen ihr heutiges Geschäft verändern können technologisch, gesellschaftlich, und ökologisch. Und welchen Beitrag leisten sie zu einer Zukunft, die sie auch in zehn Jahren noch vertreten möchten?

„Zukunft ist nicht vorhersehbar, aber sie ist gestaltbar, wenn wir lernen, Zukunft weniger als Zeit, sondern als Raum der Möglichkeiten zu sehen.“

Voraushandeln heißt also, nicht nur auf mögliche Krisen zu reagieren, sondern mutig auf eine Zukunft, die Hoffnung und neue Möglichkeiten schafft, hinzuarbeiten und das ganzheitlich für das eigene Unternehmen, die Mitarbeitenden und die Gesellschaft. Wer sein Handeln heute an einem wünschenswerten Zukunftsbild ausrichtet, trifft nachhaltigere Entscheidungen und wird resilienter gegenüber dem, was kommt.

Neben den geopolitischen Horrorszenarien geistern „Digitalisierung“ und „KI“ als weitere Schreckgespenster durch unsere Köpfe. Wie nutzen wir privat die Möglichkeiten angstfrei und klug, um uns für die Zukunft aufzustellen?

Digitalisierung und KI sind keine Naturgewalten, sondern wir entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen. Ein erster Schritt zu einem souveränen Umgang ist die Erkenntnis, dass KI immer auf Daten der Vergangenheit basiert. Sie erkennt Muster der Vergangenheit und verstärkt gegenwärtigen Trends, aber ohne menschlichen Input kann sie nicht zwischen sinnvoller Innovation und Wiederholung alter Fehler unterscheiden. Gerade deshalb braucht es Menschen, die reflektieren, hinterfragen und mitgestalten. Privat bedeutet das, wir müssen neugierig bleiben, lernen und verstehen. Wer digitale Tools bewusst auswählt und sich fragt, welchen Mehrwert sie bieten – für Bildung, Kreativität oder Teilhabe –, nutzt Technologie angstfrei und verantwortungsvoll.

Und was gilt es im unternehmerischen Kontext zu beachten?

Unternehmen tragen hier eine besondere Verantwortung. Digitale Innovation darf nicht zu Lasten der persönlichen Freiheit gehen. Datensouveränität wird so zum Zukunftskapital, denn wer mit den Daten seiner Kund*innen und Mitarbeitenden sorgfältig umgeht, schafft Vertrauen, und das ist einer der wichtigsten Werte in einer Welt, in der Realität und KI-generierte Inhalte immer schwerer zu unterscheiden sind. Die zentrale Frage für die Zukunft wird sein: Nutzen wir Daten, um das Leben zu verbessern oder nur, um Systeme und Marketingalgorithmen zu optimieren? Unternehmen, die hier transparente, faire und inklusive Mechanismen etablieren, sichern sich nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern auch gesellschaftliche Legitimität. Und dazu gehört eben zu wissen, wo und wie unsere Daten gespeichert und weiter genutzt werden. Kurz gesagt: Vertrauen und Daten sind die neue Währung der Zukunft.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Tanja Schindler ist international tätige Futuristin und Strategic-Foresight-Expertin, die Organisationen durch Transformation und Innovation begleitet. Aktuell ist sie Foresight Lead bei Kaufland und in der Schwarz Gruppe, wo sie zu strategischen Zukunftsfragen arbeitet. Sie spricht weltweit über Futures Mindset und Zukunftsresilienz – u.a. für die European Commission, Ministerien in Dubai sowie im WEF Global Foresight Network. Schindler vermag es, ihr Publikum für die Zukunft zu begeistern und Zukunftsangst in Freude zu verwandeln.

Wenn Sie Tanja Schindler für Ihre Veranstaltung als Redner anfragen möchten, rufen Sie uns an unter +49 89 5472619-0 oder mailen Sie uns.

Das Interview führte Katja Volkmer, freie Redakteurin und Mitarbeiterin der Econ Referenten-Agentur.

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