2018 Juni 13

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Richard David Precht und Anselm Bilgri beim MARKANT-Mitgliederkongress 2018

von Isabel Funke

ECON Redner Anselm Bilgri mit Cherno Jobatey

Ein Reiskorn großer Chip unter der Haut, der Ihre Haustür öffnet, Ihr Auto startet und Ihren Geldbeutel ersetzt? Längst keine Zukunftsmusik mehr, wie Patrick Kramer in seinem Vortrag auf dem diesjährigen Mitgliederkongress von MARKANT zeigte. Der Bio-Hacker hat sich mit seiner Firma Digiwell der Digitalisierung des Menschen durch Chip-Implantate verschrieben. Und weil er mit gutem Beispiel vorangeht, kann ihm Veranstaltungsmoderator Cherno Jobatey nach dem Vortrag statt auf den Zahn auf den Chip in seinem Handrücken fühlen…

„Digitalität und Humanität“ lautet das etwas abstrakte Kongressmotto. Wie gegensätzliche beide Pole sein können, wird spätestens nach den Vorträgen von  Richard David Precht und Anselm Bilgri klar.

ECON Redner Richard David Precht bei Markant Mitgliederkongress 2018Richard David Precht, Deutschlands bekanntester Philosoph geht sein Thema „Wie bewahren wir unser menschliches Dasein?“ meinungsstark und schwungvoll an. Dass Roboter menschliche Arbeit ersetzen werden, sieht er eher als Chance denn als Bedrohung. Besonders wenn es sich um „blöde Arbeit“ handelt. „Es macht nicht glücklich, im Callcenter zu arbeiten“ konstatiert Precht. Schon im alten Griechenland war privilegiert, wer nicht arbeiten musste. Im Verschwinden der Arbeit sieht Richard David Precht daher eine Chance für die Weiterentwicklung der Menschheit.  Denn wenn es nicht mehr um pure Leistung geht, tun sich Freiräume für Humanes auf.

Wenn man den Menschen smart macht, nimmt man ihm, was ihn menschlich macht

Und damit ist der Philosoph bei der Frage nach dem Sinn der Digitalisierung angekommen. Kann es immer nur um noch mehr Effizienz gehen? In Prechts Augen beantwortet die Digitalisierung zu oft Fragen, die gar nicht gestellt wurden, während die wirklichen Problem wie Hunger, Krieg, Umweltzerstörung nach wie vor ungelöst sind.  Daher sieht er das Potenzial der Digitalisierung weniger in Erfindungen wie den Chip-Implantaten, als vielmehr in Bereichen wie Medizin, Verkehr oder Energie, wo die Digitalisierung intelligente Lösungen ermöglicht.

Auch Anselm Bilgri stellt den Menschen in den Mittelpunkt seines Vortrags. Kurzfristig eingesprungen für den erkrankten Norbert Lammert, beschließt der ehemalige Benediktiner-Mönch den Kongress mit einigen Thesen zur Digitalisierung, z.B.:

  • Es ist fraglich, ob die Digitalisierung ebenso viele Arbeitsplätze schaffen wird, wie sie vernichtet.
  • Digitalisierung wird oft in falscher Weise übertrieben. Die US-Giganten wie Apple, Facebook und Amazon werden mit ihren Monopolversuchen scheitern.
  • Zu jedem Trend gibt es einen Gegentrend. Je virtueller die Welt, um so größer zugleich der Wunsch nach Authentischem. Das zeigt der Boom für schöne Papiere, Holz, Designobjekte oder  das Revival der Heimat.
  • Der Mensch braucht Resonanz! Das kann kein Roboter leisten.
  • Durch die enorme mediale Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, die Welt werde immer schlechter.

Angesichts der Aufgeregtheit rund um die Digitalisierung rät er zu mehr Gelassenheit. Denn, so Bilgris abschließende Worte, „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“.

 

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