2015 Oktober 01

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Fußball als Metapher und Keynote Speaker als Beruf – wie sich die Rednerbranche verändert hat

von Isabel Funke

25 Jahre Econ_Referenten-Agentur

Was waren das noch für beschauliche Zeiten, als ich 1999 bei der Econ Referenten-Agentur anfing. Gerade mal eine Handvoll Redneragenturen gab es in Deutschland, und wir hatten gut hundert Redner unter Vertrag. Heute sind es über 300 Referenten und Moderatoren, mit denen wir regelmäßig arbeiten, mit vielen anderen stehen wir punktuell in Kontakt. Auch die Zahl der Referenten-Agenturen hat in den letzten Jahren zugenommen.

Prominente als Zugpferd

Denn die Nachfrage nach Rednern, Moderatoren und Keynote Speakern hat sich in den letzten 15 Jahren extrem dynamisch entwickelt. Viele gerade auch mittelständische Unternehmen haben entdeckt, welch große Rolle prominente oder außergewöhnliche Gastredner für die Attraktivität ihrer Veranstaltungen spielen. Wollen Veranstalter heute bei ihrer Zielgruppe Aufmerksamkeit erreichen, müssen sie sich schon einiges einfallen lassen. Namen wie Jürgen Klopp, Reinhold Messner oder Dunja Hayali in der Einladung ziehen da natürlich.

Die Rednerbranche professionalisiert sich

Wo die Nachfrage groß ist, steigt auch das Angebot. War Vorträgehalten vor 15 oder 20 Jahren eher noch ein „Gelegenheitsjob“, den Prominente mit rhetorischem Talent neben ihrer eigentlichen beruflichen Aufgabe wahrgenommen haben, gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Rednern, die diese Tätigkeit zum Hauptberuf gemacht haben, vor allem bei den Themen Vertrieb, Verkauf und Persönlichkeitsentwicklung. Da bleibt nichts mehr dem Zufall überlassen – Lehrgänge zum „Professional Speaker“ werden absolviert, und mit ausgeklügelten Marketing- und PR-Strategien erobern neue Redner den Veranstaltungsmarkt.

Fußball wird zum Dauerbrenner

Ein weiterer Trend, der zu beobachten ist, ist das enorm gestiegene Interesse der Veranstalter an Rednern, die Außergewöhnliches erlebt und geleistet haben. Ob das Astronauten wie Ulrich Walter sind, Everest-Bezwinger wie Cathy O’Dowd, Fußballschiedsrichter wie Urs Meier oder Abenteurer wie Arved Fuchs – sie alle verwenden ihre Erfahrungen und Erlebnisse als Metaphern und zeigen daran Parallelen zu den Herausforderungen in Unternehmen auf. Das Thema Fußball ist bei Veranstaltern und Zuhörern besonders beliebt und seit der Weltmeisterschaft 2006 bei uns ein „Dauerbrenner“.

Veranstaltungen gewinnen durch eine professionelle Moderation

Nach wir vor sind Frauen im Rednerbusiness in der Minderheit, auch wenn sich in den letzten Jahren einiges getan hat. Sehr oft sind es Fernsehmoderatorinnen wir Gundula Gause, Ursula Heller oder Corinna Wohlfeil, die für Veranstaltungen als Special Guest gebucht werden. Manchmal für Vorträge, meist aber für eine gekonnte und charmante Moderation der Tagung. Die Veranstalter haben erkannt, welches Potential eine professionelle Moderation im Gegensatz zu hausinternen Lösungen bietet.

Die Top 5 damals und heute

Interessant ist auch, wer vor 15 Jahren zu unseren Top 5-Rednern zählte: die Trendforscher Norbert Bolz und Matthias Horx, der ehemalige WDR-Intendant Friedrich Nowottny, Pater Rupert Lay und Internet-Pionier Tim Cole. Und heute? Da sind es RTL-Nahostexpertin Antonia Rados, DIW-Präsident Marcel Fratzscher, der Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann, der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und der ehemalige Google-Geschäftsführer Christian Baudis.

Wie es in Zukunft wohl weitergehen wird? Wir sind überzeugt, dass uns die Arbeit nicht ausgeht. Denn in Zeiten zunehmender Digitalisierung und Virtualisierung des Lebens braucht es umso mehr verbindende Erlebnisse mit außergewöhnlichen Menschen „zum Anfassen“.

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