2015 August 31

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Andreas Steinle: Wie Sie Neugierde managen

von Barbara Boesmiller

ECON_REDNER_STEINLE_ANDREAS„Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm…“ Das ist eine Textzeile aus dem Titelsong der „Sesamstraße“, erinnern Sie sich? Eigentlich geht es in dem Song nur um eines: um die Neugierde. Um die Lust daran, zu fragen, nachzuforschen und dadurch Neues zu entdecken. Und das ist beileibe kein Kinderkram, denn ohne Neugierde hätten wir heute kein Licht und keinen Strom, kein Internet und keine hochwirksamen Impfstoffe. Wie aber führt Neugierde zu solchen Innovationen? Und wie können Unternehmen die natürliche menschliche Neugierde für sich nutzen? Darüber hat sich der Zukunftsforscher Andreas Steinle Gedanken gemacht und sich intensiv mit dem „Neugiermanagement“ auseinandergesetzt.

Andreas Steinle, was genau verstehen Sie denn unter dem „Management von Neugierde“?

Neugier-Management ist die systematische Steuerung und Nutzung der menschlichen Neugier in Unternehmen als Treiber von Innovation. Bislang hat man sich im Innovationsmanagement viel zu sehr auf die Prozesse fokussiert und dabei den entscheidenden Faktor außer Acht gelassen – den Menschen.

Je neugieriger, desto innovativer

Die Forschungsergebnisse von Dr. Patrick Mussel, der als Pionier der Neugierforschung gilt und am Lehrstuhl für Psychologie der Universität Würzburg tätig ist, belegen eindeutig: Je neugieriger die Mitarbeiter sind, desto höher ist die Innovationsquote und desto erfolgreicher entwickelt sich ein Unternehmen am Markt.

Und wie kann ein Unternehmen Neugierde managen? Können Sie drei entscheidende Schritte nennen, die es dafür tun muss?

Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern die folgenden drei Aspekte zusichern:

  • Autonomie: Menschen werden neugieriger, wenn sie mehr Wahlmöglichkeiten bekommen. Das berührt in starkem Maße die Autonomie, darüber zu entscheiden, wann, wo und wie eine Arbeit verrichtet wird.
  • Kompetenz: Erlebnisse, die Menschen das Bewusstsein vermitteln, Herausforderungen immer besser in den Griff zu bekommen und daran zu wachsen, führen zu mehr Neugier. Hierfür braucht es ständigen Nachschub an Wissen. Und Lob – auch das vermittelt Kompetenz.
  • Bezug: Nichts motiviert Menschen mehr als das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Bezug verbindet den Einzelnen mit der Gemeinschaft und stellt das eigene Handeln in einen größeren Kontext.

Diese drei Dinge kann ich also den Mitarbeitern zusichern, die ich schon habe. Wie finde ich als Unternehmen aber neue, neugierige Mitarbeiter. Und welche Rolle spielt dabei das Gehalt?

Geld wird als Motivationsmittel völlig überschätzt. Es rückt in den Hintergrund, solange branchenübliche Gehälter gezahlt werden. Neugierige Mitarbeiter werden vor allem von einer Unternehmenskultur angelockt, die von Offenheit und Transparenz geprägt ist. Genau dann finden sie nämlich das Umfeld, in dem sie ihre Neugier entfalten können. Das ist das eine.

Schon beim Recruiting neugierig sein

Das andere ist, beim Recruiting von Mitarbeitern die Neugier als entscheidende Qualifikation ins Zentrum zu rücken. Es ist erstaunlich, wie wenig hierauf in Stellenausschreibungen und Bewerbungsgesprächen geachtet wird. Dabei lässt sich schon mit nur einigen gezielten Neugierfragen Bewerbern auf den Zahn fühlen. Zum Beispiel: „Was haben sie sich in den letzten sechs Monaten selbst beigebracht? Wie haben sie das gemacht und was kam dabei heraus?“

Sind Sie neugierig geworden? Dann buchen Sie Andreas Steinle für einen Vortrag und lassen Sie sich das Neugiermanagement genauer erklären.

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