Deutschlands bekannteste Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert war kürzlich wieder einmal zu einem Vortrag in München. Auf Einladung der Green City Energy AG sprach sie vor rund 60 Gästen über „Die Chancen einer klugen Energiewende“. Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Kämpferisch setzt sie sich mit ihrem profunden Wissen und überzeugenden Worten für ein rasches Umdenken bei der Energieversorgung ein.
In Ihrem Vortrag betonte Claudia Kemfert, daß die Energiewende nicht gleichzusetzen sei mit dem Atomausstieg und es nicht nur um Strom, sondern auch um Gebäudeenergie und nachhaltige Mobilität gehe. Als „Kriegsreporterin“, wie sie sich selbst bezeichent, widerlegte sie klar die hartnäckigen Mythen von Politik, herkömmlicher Energiewirtschaft und Presse, dass die Energiewende nicht zu schaffen sei, der Strompreis explodieren werde und Blackouts drohen. Spitzenlasten könne man sehr wohl auffangen: z.B. mit einem „virtuellen Kraftwerk“, in dem kleinere Anlagen zusammengeschaltet werden, sowie mit „Smart Grids“, die dem Austarieren von Angebot und Nachfrage dienen.
Der Strompreis an der Börse sei derzeit so niedrig wie selten, was groteskerweise die EEG-Umlage steigen läßt – sehr zum Ärger der Bürger. Die energetische Gebäudesanierung bedeute einen Aufschwung für die Bauwirtschaft und generiere somit einen volkswirtschtlichen Nutzen. Die Förderung von ÖPNV, Car Sharing und der Ausbau von Fahrradwegen führten zu nachhaltiger Mobilität.
Die Energiewende verursacht keine Kosten, sie ist eine Investition!
Irrtümlich werde die Energiewende immer mit immensen Kosten in Verbindung gebracht. Dabei handele es sich aber – anders als z.B. bei Ausgaben für Öl oder Gas – um Investitionen, die volkswirtschaftlich sinnvoll sind und eine Wertschöpfung darstellen.
Claudia Kemfert fordert einen Drei-Punkte-Plan für die Energiewende:
1. Schaffung eines klugen Marktdesigns, also eines dezentralen und flexiblen Stromsystems mit hohem Anteil erneuerbarer Energien
2. Verbesserung des Emissionshandels mit einem höheren CO2-Preis
3. Höhere Energieeffizienz
Das Ziel, bis 2050 80 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu generieren und die Energiewende zu schaffen, sei ein langer, steiniger Weg. Notwendig sei ein Wandel auf allen Ebenen, insbesondere durch dezentrale Lösungen mit Einbindung der Bürger vor Ort.
Wem angesichts dieser enormen Aufgabe schwindelte, der konnte sich auf der Dachterrasse des denkmalgeschützten Art Deco Palais mit einem wunderbaren 360⁰ Ausblick auf das Münchner Alpenpanorama und das gesamte Stadtgebiet erholen.
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