2013 Februar 04

Interviews

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Tim Kröger: Segeln zum Team-Erfolg

von Barbara Boesmiller

Er hat sich unzählige Male durch tosende Wellen und spritzende Gischt gekämpft, zweimal die Welt umsegelt und mehrfach am America’s Cup teilgenommen: Unser Redner Tim Kröger ist einer der erfahrensten deutschen Segelprofis. Neben den Herausforderungen des internationalen Regattasports war es stets seine große Leidenschaft,  junge Segler und neue Crews anzuleiten und zu Höchstleistungen zu bringen – zum Beispiel als Boat Captain des legendären Teams „Shosholoza“. Nun hat Tim Kröger ein Buch geschrieben; es heißt „Ich bin wir – das Crew-Konzept“. Er schildert darin seine Erfahrungen auf hoher See und erläutert seine Strategien für erfolgreiches Teambuilding.

Tim Kröger, vor Ihnen stehen zehn talentierte Segler, die in Ihre Crew wollen. Mit welcher Strategie wählen Sie die richtigen aus?

Grundsätzlich baue ich Teams und Crews aus einem Nukleus heraus auf: Ich habe auf Basis meiner Erfahrungen einen „Kern“ aus kompetenten und menschlich kompatiblen Crewmitgliedern um mich versammelt. Sind es beispielsweise drei, suchen wir gemeinsam Nummer vier. Wichtig sind hierbei die fachliche Kompetenz für die jeweilige Position, dass alle menschlich zusammenpassen und eine gemeinsame Vision und Mission teilen – die Grundvoraussetzungen einer Sportmannschaft zum Bestehen eines harten Wettkampfs.

Sogar wenn man zu entscheiden hat, ob junge talentierte Crewmitglieder an Bord kommen, ist die fachliche Kompetenz ein entscheidender Faktor – das Menschliche aber nicht minder wichtig. Das Bauchgefühl als Entscheidungshilfe darf hier auch zum Zug kommen. Es ist für ein Team und dessen Struktur gesünder, einen auf dem Papier sehr guten Segler abzulehnen, wenn er nicht geeignet ist, in einem Team zu arbeiten.

Sie schreiben, Segeln sei die beste Lebensschule – auch im Berufsleben. Was ist das Wichtigste, das Unternehmen oder Führungskräfte von einem Segler lernen können?

Der Einsatz auf See und das Miteinander auf einem Boot auf sehr begrenztem Raum fördern ganz bestimmte Mechanismen zutage und erfordern klare Antworten. Ein guter Freund, mit dem ich um die Welt gesegelt bin, hat einmal folgendes gesagt: „Große Rennen und somit große Herausforderungen auf See bringen das Beste und das Schlechteste in einem Menschen hervor.“ Das stimmt absolut.

Die See erzieht auch zur Demut. Man wird auf einem Boot auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt – Fluchtmöglichkeiten gibt es auf halbem Wege nicht. Es geht nur gemeinsam. Beim Lösen der teilweise sehr anspruchsvollen Aufgaben wächst eine Mannschaft automatisch zusammen. Als den wichtigsten Aspekt kann man die Fähigkeit zum Fokussieren sehen – ohne diese Fähigkeit kann man auf See in Gefahr geraten, aber sicher kein Rennen gewinnen.

Ihr Buch endet mit dem Kapitel „Erfolge gemeinsam genießen“. Was heißt das in der Praxis, im Arbeitsleben? Abends gemeinsam feiern gehen?

Wer hart arbeitet und Erfolg hat, darf das auch entsprechend feiern. Ganz im Ernst: Wer mit vollem Einsatz für eine Sache kämpft, der braucht auch Momente der Reflexion und der Entspannung, um wieder Kraft für die nächste Aufgabe zu sammeln.

In Mannschaften gibt es ja während der Bildung einer Teamstruktur immer auch interne Wettkämpfe und Reibungspunkte zwischen den Teammitgliedern. Hier gilt es, einen sozialen Ausgleich zu schaffen. Da können ein gemeinsames Abendessen, eine außergewöhnliche Teambuilding-Maßnahme oder auch ein Fest im richtigem Moment kleine Wunder bewirken.

Menschen haben Emotionen, auch wenn die im Wettkampf kontrolliert werden wollen und müssen. Werden diese Emotionen durch geeignete Teammaßnahmen gebündelt und wie ein Lichtkegel in die richtige Richtung gelenkt, können sie ein starker Erfolgsfaktor sein.

Sie wollen mehr wissen über die extreme Arbeit professioneller Segelteams und Tim Krögers Rezepte für erfolgreiches Teambuilding? Sein Buch ist beim Verlag Delius Klasing erschienen und als Redner buchen können Sie ihn natürlich bei uns. Seine mitreißenden und authentischen Vorträge eignen sich für Führungskräfte-Veranstaltungen ebenso wie für Mitarbeiterevents.

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