2012 Oktober 18

Live dabei

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Rundgang über die Buchmesse 2012

von Sibylle Nottebohm

An diesem 3. Tag der Buchmesse bin ich endlich auch dabei! Ich habe mir vorgenommen, möglichst viele unserer Redner und natürlich auch einige der interessantesten Autoren zu sehen.

Der Zug war verspätet, deshalb verpasse ich leider gänzlich den Bericht „Klimaneutralität – eine ambitionierte Innovation des Landes Hessen“ in Anwesenheit des Mitherausgebers Prof. Dr. Franz-Josef Radermacher: bis 2030 soll die hessische Verwaltung klimaneutral werden. Ein ermutigendes Projekt jedenfalls!

Von der Diskussion „Das Gesetz der Krise: Wie die Banken die Politik regieren“ zwischen der deutschen Wirtschaftsjournalistin Dr. Susanne Schmidt und der Bundesministerin a.D. Brigitte Zypries höre ich nur noch die Schlußworte, schade! Frau Dr. Schmidt, die Tochter des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, wirkt ernsthaft und sehr fundiert in ihren Aussagen.

Ein großer Moment für mich ist es, den Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Joseph Stiglitz endlich persönlich zu treffen. Er stellt auf der Messe sein neues Buch „Der Preis der Ungleichheit“ vor. Trotz des ernsten Themas – Stiglitz beklagt die immer größere Schere zwischen Arm und Reich in den USA – wirkt er heiter, ist unaufgeregt eloquent und sehr sympathisch.

Im Vorübergehen erspähe ich Anselm Grün, der – wie immer umlagert von einer großen Fangemeinde – über „Wurzeln – festen Halt im Leben finden“ redet. (Schläft der Mann nie?)

Der Journalist Christoph von Marschall berichtet seit 2005 als US-Korrespondent und einziger deutscher Zeitungskorrespondent mit Zugang zum Weißen Haus aus Washington für den Tagesspiegel. Eindringlich, dezidiert und unterhaltsam spricht er in freier Rede über die US-Wahlen und Amerikas Zukunft.  Von Marshall hat Barack Obama seit Jahren begleitet und stellt auf der Messe sein neues Buch „Der neue Obama. Was von der zweiten Amtszeit zu erwarten ist“ vor.

Peer Steinbrück ist überall: am „Zeit“- Stand, im Gespräch mit Joseph Stiglitz und im Buchmesse-Talk zum Thema „Mehr Europa? Die Krise der EU als Gefahr – und Chance“, wo er unter anderem mit Prof.  Paul Kirchhof diskutiert.  In diese Diskussion platzt die Nachricht von der Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU. Steinbrück preist seine Generation als die erste ohne Krieg, und Kirchhof betont die Aufgabe des Rechts als Friedensstifter, was aber seinen Preis habe.

Schon etwas erschöpft von dem Trubel und all den verlockenden Bücherbergen ergattere ich einen Sitzplatz beim Gespräch mit Kathrin Passig und Sascha Lobo zu ihrem gemeinsamen Buch „Internet. Segen oder Fluch“. Fazit: Für den erbitterten Konflikt  zwischen Befürwortern und Gegnern des Netzes gibt es keine simple Lösung, aber die digitale Vernetzung betrifft auch jene, die nichts mit ihr zu tun haben wollen. Der braune Haaransatz von Lobo lenkt mich ab, und ich grüble über die Marke seines Haarsprays. 😉

Unbedingt wollte ich Maria Höfl-Riesch treffen, aber sie ist nicht wie angekündigt am Stand. Wie bedauerlich!

Perfekt gestylt,  gertenschlank und sehr attraktiv präsentiert Nina Ruge begleitet von Presse-Blitzgewitter ihr Werk „Was fühlt mein Hund? Was denkt mein Hund?“.  Um ihre Lieblinge nicht persönlich zu belasten, ist sie von beiden als Karton-Austeller in Originalgröße umrahmt.

Meine Konzentration schwächelt, die Beine erst recht! Trotzdem gönne ich mir noch einen Blick auf den betagten Mordillo, der tapfer uralte Sammlerstücke seiner Fans signiert, und sehe von weitem Donna Leon auf dem blauen Sofa. Noch ein Streifzug durch die ausländischen Verlage und den Bereich für Reiselektüre – ach, wie exotisch und verheißungsvoll das alles ist! Dem sympathischen Cees Nooteboom kann ich wieder nicht sagen, daß seinetwegen alle lesefreudigen Zeitgenossen meinen Namen IMMER falsch buchstabieren, so umlagert ist er. Sein Stil ist aber auch unvergleichlich.

Erschöpft, aber sehr zufrieden mit diesem Tag fahre ich nach Hause, erfüllt von Eindrücken und mit einer neuen Lektüreliste für die kommenden Wochen und Monate.

 

 

 

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