2012 Januar 30

Gastautoren

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Recherche, Briefing, Trockenübung – und warum schwarz manchmal lila ist, Gastbeitrag von Ursula Heller

von Barbara Boesmiller

Die Econ Referenten-Agentur vermittelt ja nicht nur Redner, sondern auch Moderatoren – für Diskussionsrunden genauso wie für Gala-Abende und Firmenjubiläen. Vorbereitung braucht natürlich beides, eine Rede genauso wie eine Moderation. Letztere will aber besonders penibel vorbereitet werden. Warum und wie, das erklärt Ihnen die BR-Journalistin Ursula Heller in einem Gastbeitrag.

Wie bereite ich die Moderation einer Veranstaltung vor? Kurz gesagt: mit gründlicher Recherche. Manchmal vielleicht sogar zu gründlich. Denn ich gehöre zu den Menschen, die NIE das Gefühl haben, jetzt weiß ich alles – schließlich gibt es immer noch einen Artikel oder einen Internet-Link, den man lesen könnte. Wie war das nur früher ohne Internet? Es war weniger leicht, aber auch weniger schwer! Das Internet bietet wahnsinnig viel Material, alles leicht zugänglich. Aber die Gefahr ist groß, bei der Recherche vom Hölzchen aufs Stöckchen zu kommen und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.

Wertvoller Vorbereitungsschatz

Als Journalistin habe ich auch Zugang zu einem großen elektronischen Zeitungsarchiv, das mir hilft, ein richtiges Dossier zum Thema anzulegen. In aller Regel habe ich für jede Veranstaltung einen kleinen Ordner und eine Mappe, da wird alles sortiert und gesammelt, was mir ein- und auffällt zum Thema, zum Veranstalter, zum Anlass: von Portraits über Hintergrundberichte, vom Zeitungsschnipsel über Statistiken bis zum netten Zitat. Wie wertvoll dieser kleine Vorbereitungsschatz ist, hat sich erst kürzlich wieder beim Firmenjubiläum der Consilia-Gruppe gezeigt: Einer der Referenten dort kürzte seinen Vortrag unerwartet um 15 Minuten. Eigentlich wäre damit der ganze Zeitplan durcheinander geraten – um so besser, dass ich durch die gründliche Vorbereitung noch ein spontanes Interview einschieben konnte.

Ohne Briefing geht nichts

Briefing-Gespräche mit dem Auftraggeber sind mir ganz wichtig. Nur so erfahre ich: Welche Erwartungen hat der Veranstalter, was soll „hinten rauskommen“, wer ist Zielgruppe, Publikum, und welchen Wissenshintergrund haben diese Menschen? Wenn es sich organisatorisch machen lässt, versuche ich immer ein direktes Vorgespräch zu realisieren – ganz altmodisch von Angesicht zu Angesicht. Das ist auch für die Chemie bei einer Veranstaltung wichtig. Dazu kommen Telefonate mit den Referenten oder Diskutanten, sofern sie greifbar sind. Auch hier gilt: Wenn man sich vorher schon mal vorgestellt oder besprochen hat, wird’s besser.

Ein persönliches Kennenlernen macht es auch leichter, die richtige Moderationsform für verschiedene Teile der Veranstaltung zu finden.So habe ich den vier geschäftsführenden Gesellschaftern der Consilia nach dem Briefing vorgeschlagen, ihre Auftritte in Dialogform zu gestalten: ein Format, das sich bewährt hat, weil es persönlicher und sympathischer ist. Durch das nette und ausführliche Vorgespräch waren die Fragen schnell gefunden, schließlich ging es darum, die „Firmen-DNA“ zu kommunizieren, die Wertschätzung des Kunden und das Erfolgsrezept für gute Partnerschaft.

Spontanität durch Vorbereitung

Mir ist immer wichtig, dass die Moderation bei einer Veranstaltung oder eine Diskussionsrunde authentisch, natürlich und locker anmutet. Aus dem Ärmel schütteln lässt sich das nicht. Außer, man ist genial…. Daher ist eben die gründliche Vorbereitung wichtig. Nur dann kann man improvisieren, Lücken füllen, spontan etwas auf den Kopf stellen. Grundsätzlich schreibe ich zu jeder Veranstaltung für mich ein richtiges Manuskript. Das ist natürlich nicht zum Ablesen gedacht, aber zum Einstimmen, zum Durchdenken der Veranstaltung. Danach übertrage ich dieses Skript in wenigen Stichworten auf Karten.

Trockenübungen im Auto

Auch ein Moderator muss sich warmreden. Auf der Autofahrt zu einer Veranstaltung rede ich mich meistens frei und plappere die Begrüssung einer Veranstaltung vor mich hin. Das hat mir schon manchen neugierigen Seitenblick von anderen Autofahrern eingehandelt…

Besonders spannend für mich als Moderatorin sind Veranstaltungen mit unterschiedlichen Formaten. Bei der Consilia hieß das zum Beispiel: Am Nachmittag ein Zukunftsforum im Bayerischen Landtag, am Abend eine Gala im Wappensaal in Riem, der früheren Abflughalle des alten Münchner Flughafens. Einmal also eine eher sachliche Moderation, und einmal festlich-feierlich im „Kleinen Schwarzen“ – das in meinem Fall lila war. Und wenn man dann nach einer gelungenen Veranstaltung hört: „Unglaublich, was Sie alles über uns wissen. Sie sind ja eigentlich eine von uns!“, ist das ein wirklich schönes Lob, das den Aufwand der Vorbereitung mehr als wett macht.

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