2016 Oktober 07

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„Sozusagen Paris“ – Lesung mit Navid Kermani

von Sibylle Nottebohm

ECON Redner Navid Kermani Lesung 30.09.16

Der deutsch-iranische Autor und Orientalist Navid Kermani liest aus seinem neuen Roman Sozusagen Paris – für Literaturbegeisterte ein Muss! Kein Wunder ist der Saal im Literaturhaus München am 29. September 2016 bis auf den letzten Platz belegt und die Warteschlange draußen lang.

Im Dialog mit der Literaturkritikerin Ursula März stellt sich schnell heraus, dass Navid Kermani ein scharfer Beobachter seines Umfeldes und seiner Zeit ist. Die in den 80er Jahren in der Friedens- und Umweltbewegung aktive Generation hält er für sehr bedeutsam in Deutschland. Seiner Ansicht nach erzeugt ihr Driften in das Bürgerliche eine Oppositionslücke, so dass heute die Gegner des Systems rechts von dieser Gruppe stehen müssen. Das ist einer der Gründe für das Erstarken rechten Gedankengutes in Deutschland: Sehr präzise soziologische Überlegungen, die auch in seine Vorträge über Europa, Nahostpolitik, Migration und Integration, Literatur oder die Religionen miteinfließen.

Sehr sympathisch wirkt der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels! Nach der launigen Einführung durch Ursula März liest er – dramaturgisch geschickt gewählt – mehrere Passagen aus seinem neuesten Buch „Sozusagen Paris“, das im Stil des klassischen Dramas unter Beachtung der Einheit von Handlung, Zeit und Ort verfasst ist. Es geht um die Begegnung eines Mannes mit seiner ersten großen Liebe nach 30 Jahren. Eine ganze Nacht lang wird  über Politik und Gesellschaft in Deutschland  diskutiert und philosophiert.

Begeisterter Szenenapplaus

Navid Kermani ist ein begnadeter Vorleser – am liebsten möchte man, dass seine warme Stimme den Text weiter und immer weiter so lebendig vorträgt. Nach jeder Passage gibt es Applaus und Bravorufe aus dem Publikum. Gekonnt verbindet Navid Kermani das Mystische mit dem Profanen. So wirft der penible Bericht über die Art, eine Spülmaschine einzuräumen einen amüsierten, aber auch tiefgehenden Blick auf die Beziehung des beteiligten Paares. Der gewagte Vergleich gelingt tatsächlich prächtig, ein Universum tut sich auf und ist keineswegs lächerlich – das ist wahre Schreibkunst!

 

 

 

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