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25.07.2014

Reinhold Messner und Christoph Ransmayr über ihre Freundschaft, Grenzerfahrungen und die Verwandlung durch Reisen

Für unseren Redner Reinhold Messner ist die erfundene Geschichte in einem Roman oft wahrer als die Tatsache. Vor seiner Antarktisdurchquerung 1989/1990 hatte er „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ von Christoph Ransmayr gelesen. Die Schilderungen hatten ihn so aufgewühlt, dass er seine Expedition beinahe wieder abgeblasen hätte. Um so erstaunter war er, als er Kontakt mit Christoph Ransmayr aufnahm und erfuhr, dass dieser noch nie am Nordpol war.

Seitdem eint die beiden ungleichen Männer eine enge Freundschaft. Was sie verbindet, steht heute in einem sehr lesenswerten Gespräch im Magazin der Süddeutschen Zeitung: „Die Welt oder das, was man von ihr erfahren will, wird durch den anderen vielschichtiger, vollständiger“, so Ransmayr. Erlebnisse, die ihm Reinhold Messner berichtet hat, sind in seine Bücher eingeflossen, z.B. das Drama am Nanga Parbat, bei dem Messners Bruder ums Leben kam.

In den Fußstapfen von Reinhold Messner ist Ransmayr nun ebenfalls in den Gebirgen unseres Planeten unterwegs, wo die beiden Männer über alles Mögliche reden und neue Ideen entwickeln.

Reinhold Messner räumt in dem Gespräch ein, dass Reisen für ihn immer Herausforderung sein musste und etwas Obsessives hatte – inzwischen genüge es ihm, mit seiner Familie „die Welt anzuschauen“. Für den Schriftsteller Christoph Ransmayr trat an die Stelle von Heimweh Fernweh, weil er endlich erfahren wollte, ob die von ihm beschriebene Welt tatsächlich so ist, wie er sie aus Büchern kannte.

Für beide gilt jedoch Ransmayrs Weisheit: „Die Reise an äußere Grenzen ist immer ein Verwandlungsprozess. Man kommt nie wieder wirklich zurück! Jedenfalls nicht an den Ort, den man verlassen hat, und nicht als der, der man vor dem Aufbruch war.“

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